Die Schüsse der Schleswig-Holstein am 1. September 1939 um 4:45 Uhr auf die Westerplatte werden häufig als der Beginn des Zweiten Weltkriegs genannt.
Ein martialisches Denkmal beherrscht heute die Westerplatte, die in Polen diesen deutschen Namen behalten hat.
1.9.1939 Ostsee Um 04:45 Uhr Beginn des deutschen Angriffs auf Polen. Deutsche Seestreitkräfte: Gesamtleitung Marinegruppenkommando Ost (GenAdm. Albrecht, Chef d. Stabes KAdm. Schmundt), unterstellt: Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte (B.d. A.) VAdm. Densch mit den Leichten Kreuzern Nürnberg, Leipzig, Köln; Führer der Torpedoboote (F.d. T.) KAdm. Lütjens mit den Zerstörern Leberecht Maaß, Georg Thiele, Richard Beitzen, Friedrich Ihn, Erich Steinbrinck, Friedrich Eckoldt, Bruno Heinemann, Wolfgang Zenker, Bernd von Arnim sowie die 1. Schnellbootflottille mit S 11, S 12, S 18, S 19, S 20, S 21, S 22, S 23 und Begleitschiff Tsingtau; Führer der Minensuchboote (F.d.M.) Kpt.z.S. Ruge auf Torpedoboot T 196 mit den Geleitbooten F 7, F 8, F 9, F 10, der 1. M-Flottille mit den Minensuchbooten M 1, M 3, M 4, M 5, M 7, M 8, M 111, M 132, SVK-Verband mit den alten M-Booten Nautilus, Otto Braun, Pelikan, Arkona, Sundewall sowie der 3. R-Flottille mit Begleitschiff Von der Gröben und R 33, R 34, R 35, R 36, R 38, R 39, R 40; Führer der U-Boote Ost, FKpt. Schomburg, mit U 5, U 6, U 7, U 14, U 18, U 22, U 31, U 32, U 35, und U 57; Führer der Seeluftstreitkräfte Ost, GenMaj. Coeler, mit 10 Marinefliegerstaffeln; ferner Hafenschutzflottillen und Linienschiff Schleswig-Holstein (Kpt.z.S. Kleikamp) in Danzig-Neufahrwasser. Polnische Marine (OB KAdm. Unrug): Zerstörer Wicher , Minenleger Gryf, U-Boote Sep, Orzel, Wilk, Rys, Zbik, 2 alte Torpedoboote, die alten Kanonenboote General Haller und Komendant Pilsudski, 6 kleine Minensucher: Czajka, Jaskolka, Mewa, Rybitwa, Czapla und Zuraw, Hilfs- und Schulfahrzeuge.Schleswig-Holstein beschießt Westerplatte, deren Verteidiger den Angriff einer Marine-Sturmkompanie abschlagen. Gegen 14.00 Uhr versenken Stukas vom Typ Ju 87 der IV/LG.1 (Kapt. Kögl) das poln. Torpedoboot Mazur und das Taucherboot Nurek im Kriegshafen Oksywie (Oxhöft).
Die Freie Stadt Danzig

(1919 – 1939)

Die Freie Stadt Danzig, die eine Fläche von 1966 Quadratkilometern hatte und 384.000 Einwohner (davon 96 % deutscher Nationalität) zählte, sollte nach den Art. 100-108 des Versailler Vertrages als unabhängiger Staat autonom und ein selbständiges Mitglied der Völkergemeinschaft unter dem Schutz des Völkerbundes sein. Es sollte nicht unter die Herrschaft Polens kommen und nicht Teil des polnischen Staates sein. Danzig hatte als gesetzgebende Körperschaft einen Volkstag mit 120 Mitgliedern. Regierung und oberste Landesbehörde war der Senat, den der Volkstag wählte, mit einem Präsidenten und 20 Senatoren. Amtssprache war Deutsch. Danzig hatte eine Staatsflagge, die auf rotem Tuch zwei übereinander stehende weiße Kreuze und darüber eine gelbe Krone zeigte. Die Führung seiner auswärtigen Angelegenheiten jedoch hatte Danzig an Polen übertragen müssen. Als Vertreter des Völkerbundes hatte ein Hoher Kommissar seinen Sitz in Danzig. Seine Aufgabe war die eines Schiedsrichters bei meinungsverschiedenheiten zwischen Danzig und Polen.Die Rechte Polens in Danzig waren rein wirtschaftlicher Natur und dienten nur dem freien Zugang Polens, das ja keinen Seehafen besaß, zum Meer. Dazu erhielt Polen das Recht neben der Danziger Post einen eigenen Postdienst im Hafen für den Verkehr zwischen Polen und Danzig sowie zwischen Polen und dem Ausland zu unterhalten. Außerdem war die Verwaltung der Eisenbahnen an die polnische Eisenbahnbehörde übergeben und Polen war an der Verwaltung des Hafens in einer paritätisch mit Danzig besetzten Hafenverwaltung beteiligt.

Da Polen keinen eigenen Seehafen besaß, erhielt es gegenüber dem Freihafen auf einer Halbinsel – der sogenannten Westerplatte – einen Umschlaghafen für die Einfuhr von Kriegsgerät gewissermaßen als Enklave, die es selbst verwaltete und durch eigenes Wachpersonal sichern konnte.

Die Westerplatte

Auf der Westerplatte legte Polen ein Munitionsdepot an, sicherte es durch ein Befestigungssystem von über 20 Bunkern und verstärkte seine „Wachmannschaft“ auf eine Garnison mit 182 Soldaten, was nach dem Versailler Vertrag keineswegs erlaubt war. Nach ihm durfte die Freie Stadt nicht als Militär- oder Marinebasis dienen, es durften keine Festungswerke oder Munitionsdepots errichtet werden.

Um von Danzig unabhängig zu sein, hatte Polen inzwischen in dem ursprünglichen Fischerdorf Gdingen einen eigenen Hafen gebaut, mit dem es Danzigs Hafen heftige Konkurrenz machte. Deshalb bedurfte es der Enklave auf der Westerplatte eigentlich gar nicht mehr. Für Polen aber war Danzig nachgerade schon zum Prestigefall geworden.

Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Um 4.45 Uhr eröffnete das Linienschiff »Schleswig-Holstein« das Feuer auf das polnische Munitionsdepot und die Besatzung der Westerplatte. Es zeigte sich bald, daß die Salven des deutsches Kriegsschiffes den Stützpunkt nicht zur Aufgabe würden zwingen können. Bodentruppen griffen zusätzlich ein, wurden aber von den polnischen Verteidigern zurückgewiesen. In den nächsten Tagen wurden die Versuche zur Eroberung verstärkt durch 15 cm-Haubitzen und 8,8 cm-Geschütze aus Weichselmünde sowie schweren MG's von Neufahrwasser.

Noch am 4. September kann die Polnische Besatzung der Westerplatte dem deutschen Druck standhalten, obwohl seit der Morgendämmerung die deutschen Truppen versuchen, mit einer weiteren Verstärkung durch 21 cm-Haubitzen aus Ostpreußen den Widerstand zu brechen.

Sieben Tage lang leisteten die 182 polnischen Soldaten der deutschen Übermacht erbitterten Widerstand. Am 7. September erlischt jedoch ihre letzte Widerstandskraft. Um 10:15 Uhr legen die Verteidiger der Westerplatte die Waffen nieder und ergeben sich der Übermacht. Diese mutige Leistung forderte selbst dem Sieger Respekt ab: Der deutsche General F. G. Eberhart reichte dem polnischen Kommandeur Major Henryk Sucharski nach dessen Kapitulation den Säbel zurück.

1966 wurde auf derWesterplatte ein monumentales Denkmal zu Ehren der Verteidiger errichtet. Die Halbinsel ist am besten mit einem Ausflugsschiff, das im Sommer regelmäßig von Danzigs Anlegestelle am Grünen Tor abfährt, zu erreichen.



Kontakt und Impressum: annagaartz@gmx.de